Hintergründe

„WIE STARK MÜSSEN DIE FIRMEN WACHSEN?“

Fragen nach wirtschaftlichen Anforderungen an die studentischen Unternehmen unseres geplanten Studiengangs „Gründung, Innovation, Führung“ (GIF) erreichen uns immer mal wieder. Hier drei Beispiele: Wie stark müssen die studentischen Firmen wachsen? Welchen Umsatz müssen sie schaffen? Müssen sie Gewinn machen oder sind auch Non-Profit-Unternehmen möglich?

Aus diesen Fragen ist nicht direkt erkennbar, was hinter „müssen“ steckt. Geht es um die Voraussetzungen, damit sich ein Unternehmen am Ende des Studiums sinnvoll weiterbetreiben lässt? Dann lautet die Antwort: Die Unternehmen müssen sehr stark wachsen und viel Umsatz machen. Nur dann lassen sich beispielsweise Gehälter für ein großes Team bezahlen. Unser Studiengang GIF umfasst sowohl Module und Methoden zur Wachstumsbeschleunigung als auch Coaching und Spielraum für diejenigen Studierenden, die sehr wachstumsorientiert arbeiten wollen.

Es kann aber auch sein, dass die obigen Fragen (Wie stark müssen die Firmen wachsen? etc.) nicht auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen anspielen, sondern auf die Leistungsbewertung der Studierenden. Die Fragen lassen sich dann umformulieren in: Hängt meine Note vom Wachstum und vom wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens ab?

Ja und nein.

Zunächst zum Nein: Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ist nur begrenzt von Entscheiderinnen und Entscheidern des Unternehmens beeinflussbar. Märkte und Kunden folgen ihren eigenen Logiken, die sich zwar beobachten und erforschen, aber nur eingeschränkt beeinflussen und prognostizieren lassen. Auch die besten Gründerinnen und Gründer (ebenso wie etablierte Unternehmen) landen Flops. Es wäre von uns unfair und pädagogisch unklug, wenn wir die Notengebung von externen Einflüssen abhängig machen würden. Benotet werden Aktivitäten (z.B. Planungsprozesse, Nutzung von Methoden, Kommunikation mit Kunden) und Produkte (z.B. Prototypen, Geschäftsmodelle, verfasste Essays), nicht Umsatz oder Wachstumraten.

Nun zum Ja: In der Medizin heißt es, wer heilt, hat recht. Analog sagt man über Unternehmen, ihr Erfolg gibt ihnen recht. Wenn also beispielsweise ein Team von Studierenden ein Produkt entwickelt, das bei uns Team Coaches Stirnrunzeln auslöst, aber bei bestimmten Kunden gut ankommt, müssen wir das anerkennen. Sonst würden wir ja die Kunden hinsichtlich ihrer eigenen Bedürfnisse und Präferenzen für inkompetent erklären. Der Markterfolg eines Produkts ist ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung des Produkts. Deshalb berücksichtigen wir Umsatz und sein Wachstum bei der Notengebung – aber eben nicht als Selbstzweck, sondern als Kriterium für die Bewertung eines Produkts.

Abschließend noch drei Sätze zur Frage: Müssen die Unternehmen Gewinn machen oder sind auch Non-Profit-Unternehmen möglich? Ja, auch studentische Non-Profit-Unternehmen sind möglich. Aber auch nicht gewinnorientierte Unternehmen sollten Gewinn erwirtschaften, um ihr Eigenkapital zu stärken und dadurch ihre Handlungsfähigkeit zu erweitern. Non-Profit bedeutet nur, dass Gewinne kein Hauptzweck sind und dass sie auch nicht an die Eigentümer eines Unternehmens ausgeschüttet werden, sondern im Unternehmen verbleiben.

(Text: Michael Vogel; Bild: Adobe Stock)