Hintergründe

TEAM ACADEMY AUF SPANISCH

Vor 10 Jahren fiel der Startschuss für die Mondragon Team Academy (MTA). Und bereits 2015 hatten wir mal geschaut, was die Spanier so machen und wie sich das vom Modell der finnischen Tiimiakatemia in Jyväskylä unterscheidet.

Jetzt, vor dem Start der ersten deutschen Team Academy in Bremerhaven, ging es nochmal darum, möglichst viele Erfahrungen aus Spanien für uns zu nutzen. Deswegen reisten Ann-Cathrin und ich für 4 Tage nach Bilbao.

Die baskische Team Academy teilt sich mit vielen anderen Start-Ups ein Gebäude, das im Erdgeschoss ein hübsches Café beherbergt.

Unternehmerischer Spirit ist überall zu spüren. Und das tut beiden Seiten gut – den jungen „Teampreneurs“, die die reiferen und erfolgreichen Start-Ups vor Augen haben, aber auch den Start-Ups, die gerne Absolventen der Mondragon Team Academy beschäftigen.

Apropos Teampreneurs: so nennen sich Studierende an Team-Academy-Studiengängen, doch wer sie als Studenten anspricht, erhält als Antwort ein gequältes Lächeln – nein: als Studenten fühlen sie sich nicht.

Überhaupt fehlt fast alles, was an eine klassische Universität erinnert, auch wenn die MTA damals aus der Mondragon Unibertsitatea gegründet wurde, die wiederum gut 10 Jahre vorher als private Universität eingerichtet wurde von der Mondragón Corporación Cooperativa – die größte Genossenschaft Spaniens mit Hauptsitz im Baskenland.

Das ist alles wohl kein Zufall, denn das Genossenschaftsprinzip ist ebenso unternehmerisch wie solidarisch und passt ideal zum Bildungskonzept einer Team Academy.

People !!!! Iskander Alkate Ibarrola, selber Absolvent der MTA Bilbao und heute Teamcoach sowie Manager der Internationalen Aktivitäten, nimmt sich richtig viel Zeit für uns – in besagtem Café.  

All diese Insider-Informationen, die natürlich auf keiner Website und in keiner Broschüre stehen, sind unglaublich wertvoll. Wir haben von Anfang an das Gefühl, dass diese Idee, ganz anders zu lernen als üblich, sofort eine enge Verbundenheit auslöst. Regelrecht begeistert reagieren Teamcoaches wie Teampreneurs darauf, wenn wir ihnen sagen, dass wir ab Herbst eine Team Academy in Deutschland machen werden.

Kein Klischee und doch so typisch – nachdem wir viele Stunden mit Iskander verbracht haben, geht’s noch in einige Tapas-Bars. Bilbao hat wirklich Lebensqualität.

Am folgenden Tag haben wir Gelegenheit, einen ganzen Tag in der MTA Irun zu verbringen – dem Grenzort zwischen Spanien und Frankreich.

Hier wieder große Offenheit, Begeisterung, dass wir so etwas nun auch in Deutschland machen. Vom Stil her wirkt die MTA Irun etwas weniger improvisiert als die MTA Bilbao mit ihren Sofas, Holzpaletten etc. In Irun eher klassisches Mobiliar.

Die Studenten – uuups – sorry, Teampreneurs aus dem 1. Studienjahr erzählen uns von ihren Projekten, beispielsweise große Events, die sie organisiert haben,  ein Gewinnspiel oder Schmuck aus Upcycling-Materialien.

Ein Team aus dem 3. Jahr lädt uns ein ihr Café „Let’s Cereal“ zu besuchen. Wir machen uns natürlich gleich auf den Weg und finden ein Café mit einem besonderen Konzept. Zum Café gibt es Cerealien aus aller Welt. Natürlich alles auch für Veganer mit Sojaprodukten. Wir werden herzlich von zwei Teampreneurinnen aus dem 1. Jahr empfangen – denn die Jahrgänge unterstützen sich auch gegenseitig und lernen in gemeinsamen Projekten.

Wir treffen auch ein Team, das nach dem Studium mit der Firma weitermacht – Aldra. Gerade probieren sie wieder ein neues Projekt aus. Diesmal geht es darum die vielen ungenutzten Küchen in der Stadt, die man zukünftig als Dark-Burger-Küchen (temporäre Lieferdienste) nutzen können soll.

Was sind die Impressionen? Offen, vielfältig, engagiert, smart, lebendig, …

Wieder zurück in Bilbao, haben wir am nächsten Tag die Gelegenheit, an einem Team Coaching teilzunehmen. Es geht um die Reflexion im Umgang mit einem Konflikt, um die Lernerfahrungen aus einem WordPress-Kurs, aber auch um Pünktlichkeit und Engagement.

Wir haben einerseits das Gefühl, viel Wichtiges gelernt zu haben, aber auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

(Text und Fotos: Wolfgang Lukas)