Hintergründe

„IST DAS NICHT RISKANT?“

Diese Frage gehört zu den ersten, wie uns in Gesprächen und Präsentationen gestellt wird, und sie kommt so sicher wie das Amen in der Kirche: Ist es nicht riskant, ziemlich ahnungslose Studienanfänger eigene Unternehmen gründen zu lassen? Unsere Antwort ist ganz klar: nein. Eine Gründung ist erst einmal nur ein juristischer Akt, für den ein paar Formalitäten und etwas Geld erforderlich sind. Und schwupp, das Unternehmen ist gegründet, ganz ohne Risiko.

Okay, so wörtlich ist die Frage natürlich nicht gemeint. Bei Unternehmensgründung denken Menschen eher an die gesamte Anfangsphase von Unternehmen, wenn jeder Schritt ein Vorantasten erfordert, weil man alles zum ersten Mal macht und noch gar nicht weiß, was alles schiefgehen kann. Trotzdem ist es sinnvoll, sich bewusst zu machen, dass Gründen nur bedeutet, das Fundament zu legen, nicht das Haus zu bauen.

Risiken entstehen, wenn das Unternehmen tätig wird, indem es Verpflichtungen eingeht, Haftung z.B. für seine Produkte übernimmt, Kredite aufnimmt oder Kapital einsetzt. Wie groß diese Risiken sind, lässt sich recht gut abschätzen, planen und steuern. Hier einige Beispiele, wie wir im Studiengang eine Risikobegrenzung erreichen:

  • Die Unternehmen der Studierenden sind Genossenschaften, deren Haftung in der Regel auf die Höhe des Unternehmensvermögens beschränkt ist.
  • Die Unternehmen dürfen keine Kredite aufnehmen, um sich zu finanzieren. Damit vermeiden wir das Risiko von Überschuldung.
  • Das Eigenkapital der Unternehmen wird im Laufe der Zeit mit Projekten für Kunden verdient. Es muss also niemand eigenes Geld reinstecken, das irgendwann verloren sein könnte.
  • Für Entscheidungen mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen ist Einstimmigkeit der Gesellschafter*innen (= Studierenden) erforderlich. Das Risikoniveau des eigenen Unternehmens hat also jede und jeder einzelne selbst in der Hand.
  • Wir richten einen „Gründungsfonds“ ein, der nicht nur Gründungskosten vorfinanzieren und für vielversprechende Projekte Zuschüsse gewähren kann, sondern zur Not auch als Risikopuffer fungiert.

Unser wichtigstes Instrument zur Risikobegrenzung ist aber unser Coaching-Prozess. Jede Maßnahme wird gemeinsam besprochen, geplant, Kritik unterzogen, neu durchdacht und umgeplant, erneut diskutiert, bei der Umsetzung durch uns Team Coaches begleitet und hinterher evaluiert.

Wir orientieren uns am sogenannten „Lean Startup“-Ansatz, der Risiken so klein wie möglich hält, indem er auf besonders schlanke, flexible Prozesse, kleine Produkttests und ständiges Kundenfeedback setzt, statt erst lange und aufwändig an einem Produkt zu tüfteln, das der Kunde am Ende vielleicht nicht will und deshalb ein hohes Risiko bedeuten würde.

Übrigens  ist es heute leichter denn je, ein innovatives Unternehmen aufzubauen. Internet, Digitalisierung und Dienstleistungsgesellschaft bieten fantastische Bedingungen, um mit geringem Kapitaleinsatz und in kurzer Zeit neue Geschäftsideen und Produkte am Markt auszuprobieren.

(Text: Michael Vogel; Bild: Liannadavis/Wikimedia)